| Bericht
Eine Woche an der Seite eines Bundestagsabgeordneten
Die fünf Tag in Peter Hettlichs Berliner Büro
waren höchstinteressant – nicht nur weil ich Politik
studiere. Ich konnte ihn zu fast allen Treffen und Ausschüssen
begleiten, die in der Sitzungswoche vom 14. – 18. März
2005 so anstanden. Dadurch erhielt ich einen Einblick in das,
was ein Politiker so drauf haben muss.
Und das ist ganz schön viel. So wie ich das
erlebt habe, muss man als Politiker in vielen verschiedenen Bereichen
mehr als nur sehr gut informiert sein; da muss man viele genaue
Zahlen, exakte Daten, Namen und Fakten ohne Weiteres aus dem Ärmel
schütteln können. Ich habe mich regelmäßig
gefragt, wie das alles in nur einen Kopf reinpassen kann.
Eigentlich braucht man sich als Bundestagsabgeordneter
nur auf ein paar Bereiche der Politik zu spezialisieren. In denen
muss man dann aber richtig gut sein. Und um sich in diesen Bereichen
auch in den politischen Entscheidungsprozess einbringen zu können,
sitzt man dann in einem Ausschuss.
Bei Peter Hettlich ist das der Ausschuss für Verkehr, Bau
– und Wohnungswesen. Außerdem engagiert er sich sehr
in der Arbeitsgruppe Ost der Bundestagsfraktion der Grünen.
Natürlich muss ein Politiker auch in allen anderen aktuellen
Themen firm sein. So erlebte ich zum Beispiel, wie er mit einem
Journalisten über Dinge außerhalb seines eigentlichen
Kompetenzbereichs sprach, als wäre er der Insider schlechthin.
Die nächste Sache, die mir auffiel, ist der
Stress, den ein Politiker so hat. Ich als unbezahlte Praktikantin
kam jeden Morgen so gegen Neun; da waren Peter Hettlich und seine
Mitarbeiter bereits am Arbeiten. Und ich ging gegen Vier oder
Fünf, als sie noch lange zu tun hatten. Also wer das Bild
vom faulen Politiker erfunden hat, der muss irgendwie einem anderen
Parlament zugeguckt haben. Nix da mit Mittags- oder sogar Kaffeepause!
Und wenn doch, dann zwischen Tür und Angel bei einer wichtigen
Besprechung.
Dann sind mir auch noch ein paar andere Sachen rund
um den Arbeitsplatz Bundestag aufgefallen:
- Peter Hettlichs Mitarbeiter sind total nett (er selbst natürlich
auch),
- das Essen in den verschiedenen Kantinen des Bundestags ist tierisch
lecker,
- die Dimensionen des Papierkrams, der in Peter Hettlichs Büro
anfiel und bearbeitet werden musste, war viel größer
als ich dachte,
- die Architektur, nicht nur im Reichstag, sondern auch in den
Häusern der Abgeordneten, ist atemberaubend, und
- die Grünen bleiben ihren Idealen ziemlich treu –
ich sah z.B. verschiedene grüne Abgeordnete und Mitarbeiter
mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, alles wurde auf chlorfreiem
Recyclingpapier gedruckt, und während der Sitzungen der Grünen
gab es Bio-Orangensaft (Nur Gesundheitslatschen tragenden, strickenden
Abgeordneten bin ich nicht begegnet.).
Aber was mir am meisten aufgefallen ist: Wie schnell diese abwechslungsreiche
und wirklich eindrucksvolle Woche vorüber ging. Ich kann
jedem, der vorhat, so ein Kurzpraktikum zu machen, nur raten,
dies durchzuziehen. Auch wenn man glaubt, keine Ahnung zu haben,
man hat ja immer noch den perfekt informierten Peter Hettlich
an seiner Seite, der alles erklären kann.
Christiane Miethe
Leipzig, Juni 2005
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