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Hochwasserschutz

Elbeflut 2006
Kommentar von Dr. René Schwartz, Diplom-Biologe

Hochwasserzeichen

Pünktlich zum Scheitel des Hochwassers erscheinen zahlreiche Landes- und Bundespolitiker, um sich über die Leistungsfähigkeit der freiwilligen und staatlichen Hilfskräfte bei der unmittelbaren Gefahrenabwehr im Zuge des neuerlichen sogenannten Jahrhunderthochwassers vor Ort zu erkundigen. Martialisch wird vom 'Kampf gegen die Fluten' gesprochen und hierbei vergessen, dass der Mensch es ist, der unsinnigerweise in der Aue (die zweifelsohne zum Fluss gehört) mit seinen immobilen Gütern siedelt.

Aktionistisch wurden nach dem Elbe-Hochwasser vom August 2002 viele Deiche entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse bloß ertüchtigt und dem vorbeugenden Hochwasserschutz (z.B. dezentraler Wasserrückhalt, Deichrückverlegung, Polderung, Remäandrierung) kein Raum gegeben.

Bezeichnenderweise wurden von den 50 ursprünglich an der Elbe geplanten Deichrückverlegungen nur zwei (Steckby-Lödderitzer Forst und Lenzener Elbtalaue) bis heute umgesetzt. Noch vor wenigen Wochen wurde die Verhinderung der Deichrückverlegung in der Rühstädter Elbtalaue als Erfolg gewertet.

Für die Zukunft bleibt daher die Forderung nach der Umsetzung des 5-Punkte-Programms zum Hochwasserschutz der Vorgängerregierung bestehen. Ansonsten droht, dass wenig nach dem Rückgang des Wassers die Politiker ihre am Wochenende zur Schau gestellte Weitsichtbrille wieder ablegen und wahlkreisbezogene Kirchturmpolitik erneut Oberhand gewinnt.

Die Ankündigung unbürokratischer Entschädigungen ohne gleichzeitige Vorgaben an die Betroffenen zur nachhaltigen Herabsetzung ihres persönlichen Gefährdungsgrades (z.B. Nutzungsauflagen für bestimmte Räume) heißt einen Spenden-Dauerbescheid einrichten. Denn wir wissen mittlerweile alle: Nach der Flut ist vor der Flut.

Dr. R. Schwartz, Diplom-Biologe
Bad Oldesloe
Technische Universität Hamburg-Harburg


 

 

 

 

 
 
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