 |
DNN online, Meldung vom 13 Aug. 2003
Heuersdorfer Protest gegen Kohlebagger
Leipzig. Es sind die alternativen Energien, die den Protagonisten
der Aktion "Uns ist Heuersdorf nicht Wurst" das Leben
schwer machen. Auf dem Leipziger Augustusplatz haben Mitglieder
der Bündnisgrünen und vom Verein "Für Heuersdorf"
mit Hitze und Windböen zu kämpfen. Flugblätter und
Schautafeln, die über den von Kohlebaggern bedrohten Ort berichten,
wirbeln durch die Luft. Dafür sind die Bio-Würstchen im
Solarkocher schneller durch als erwartet. "Noch schneller geht's
nur auf Grill oder Herd, schadet aber der Umwelt", meint der
Leipziger Grüne Norman Volger. Hintergrund der gestrigen alternativen
Info-Koch-Aktion ist das 2. Heuersdorf-Gesetz. Gestern lief dazu
die Frist für Stellungnahmen ab. "Der Gemeinderat von
Heuersdorf lehnt den Gesetzentwurf der Staatsregierung zur Umsiedlung
der Gemeinde im Braunkohlegebiet südlich von Leipzig einstimmig
ab", sagte Bürgermeister Horst Bruchmann (parteilos),
der hinterm Info-Stand schwitzt. Nach Leipzig seien sie gekommen,
um auf das drohende Schicksal der Gemeinde - sie soll wegen der
darunter liegenden Kohle weggebaggert werden - aufmerksam zu machen.
Peter Hettlich (MdB, Bündnis90/Die Grünen) schwitzt ebenfalls
für Heuersdorf. "Wir unterstützen den Vorschlag der
Gemeinde für eine Umfahrung, durch die der Ort gerettet wäre."
Seit 1994 existieren Pläne dafür. Danach reicht die Abbaukante
bis etwa 150 Meter an den Ort heran. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft
mbH (Mibrag) müsste dann allerdings auf 23 Millionen Tonnen
Kohle, die direkt unter dem Ort liegen, verzichten.
Die Gemeinde behält sich juristische Schritte vor, sollte das
Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet werden. Buchmann ist
optimistisch, dass es vor dem Sächsischen Verfassungsgericht
scheitern wird. Der Entwurf sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.
Das erste Heuersdorf-Gesetz aus dem Jahr 1998 hatten die Verfassungsrichter
im Sommer 2000 für nichtig erklärt. In Heuersdorf leben
noch 160 von einst mehr als 320 Menschen.
D. Bock
|
| Die Geschichte von Heuersdorf: |
| |
|
Die
historisch einmalige Ortschaft Heuersdorf südlich von Leipzig
soll wegen des Braunkohle-Tagebaus "Vereinigtes Schleenhain"
zum Betrieb des Kraftwerks Lippendorf abgebaggert werden. Die
Sächsische Staatsregierung und die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft
mbH (Mibrag) bestehen auf der Umsiedlung des Dorfes, in dem die
1297 erstmals erwähnte Emmauskirche, die Taborkirche im Ortsteil
Großhermsdorf sowie zahlreiche Wohngebäude unter Denkmalschutz
stehen.
Heuersdorf überstand Epidemien, Kriege,
Plünderungen, Brände und zwei Diktaturen. Nun aber müssen
die Heuersdorfer mit allen rechtsstaatlich verfügbaren Mitteln
ihren Heimatort erneut verteidigen. Der Grund ist bekannt: Das
Dorf steht auf Braunkohle. Dieser Bodenschatz stellte für
die arbeitende Bevölkerung des 20. Jahrhunderts einen befristeten
Segen dar. Doch für die regionale Natur- und Kulturlandschaft
ist der Bergbau zum ewigen Fluch geworden. Im Leipziger Südraum
sind bereits zahlreiche Orte und Ortsteile unwiederbringlich verwüstet
worden.
|
|
|
| Zur Website des Dorfes: www.heuersdorf.de |
|
|
|
|
| |
| |
| << zurück. |
|
|
| |
|
|
 |