| 16. Januar 2006
Leserbrief von Peter Hettlich zu: „Die Altmark braucht die H-Variante schnell und umfassend“, Leserbrief von Verkehrsminister Daehre am 20.12.05 in der "Volksstimme"
Der Verkehrsminister für Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre, begründet die geplante Nordverlängerung der A 14 mit den „Zukunftschancen der Altmark“. Wer das Projekt in Frage stelle, werfe „die gesamte Altmark verkehrstechnisch um Jahre zurück“, schreibt der Verkehrsminister.
Aktuelle wissenschaftliche Studien sprechen eine andere Sprache. Der von manchen Politikern immer wieder behauptete Zusammenhang – wirtschaftlicher Aufschwung käme durch eine Autobahn – hält empirischen Untersuchungen nicht stand. Verkehrswissenschaftliche Studien haben in den 80er und 90er Jahren immer wieder festgestellt, dass es nur einen geringen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsentwicklung und Autobahnnähe gibt.
„Kein Gewerbetreibender kommt zusätzlich, weil eine Autobahn gebaut wurde“, stellte der Erfurter Verkehrswissenschaftler Matthias Gather Ende der 90er Jahre nach umfangreichen Studien im Thüringer Raum fest. Zwischen der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in der Region und der Nähe zu Autobahnen gab es keinen signifikanten Zusammenhang – mit anderen Worten: es war für die Zu- oder Abnahme von Arbeitslo-sigkeit nicht von Belang, ob eine Autobahn vorhanden war oder nicht.
Im Gegenteil: Die Thüringer Studie bewies, dass Autobahnnähe sogar ein Standortnachteil sein kann – denn die meist mittelständischen Unternehmer vor Ort sahen sich durch die Nähe zur Autobahn einem größeren Konkurrenzdruck überregionaler, größerer und damit wettbewerbsstärkerer Firmen ausgesetzt.
Wer Arbeitsplätze schaffen will, muss stärker in direkte Wirtschaftsförderung investieren, in Bildung und Wissenschaft – nicht aber in ein unnötiges und für die Region schädliches Straßenbau-Prestigeprojekt.
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