| "Dreimal Hettlich"
Für die Netzkarte, die zur Grundausstattung
jedes Bundestagsabgeordneten gehört, hat Peter Hettlich wirklich
Bedarf. Denn seine regelmäßigen Touren zwischen Leipzig,
Chemnitz und Oschatz sind mit der Bahn gut zu bewältigen.
In allen drei Städten unterhält der Bundestag-Neueinsteiger
ein Wahlkreisbüro. Westsachsen hat er damit sozusagen
voll im Griff.
Das König Albert Haus in Leipzig ist leicht
zu finden, schräg gegenüber dem alten Rathaus, beste
Lage. Das Büro selbst liegt dagegen etwas versteckt hinten
im ersten Stockwerk. Zwischen saharagelben Bundestagsschreibtischen,
einer kleinen Kaffeeküche und einigen Grünpflanzen hält
Katharina Krefft für ihren Abgeordneten die Verbindung zum
Großraum Leipzig. Ihre Kollegin, Steffi Zaumseil, betreut
in Chemnitz Hettlichs zweites Regionalbüro, Eröffnung
war Anfang März. Barbara Scheller,die Dritte im Bunde, hält
demnächst im E-Werk Oschatz Einzug.
Der Mann, der sich diese Infrastruktur leistet,ist
politisch im Kreisverband Torgau-Oschatz zuhause. Das E-Werk,
ein Jugend-, Kultur-und Umweltzentrum in restauriertem Jugendstilgebäude,
ist nicht zuletzt dank seinem beharrlichen Engagement auf die
Beine gekommen. Logisch, dass er dort ein Büro aufmacht.
Schließlich ist Oschatz die beste Adresse zwischen
Dresden und Leipzig .
Aber was will der gelernte Landwirt, den es vor
einigen Jahren vom Rhein an die Elbe gezogen hat, mit seinem Büronetzwerk
eigentlich bewirken? Von Schlagworten, griffigen Slogans oder
verkürzten Rollenzuweisungen hält er wenig.
So sieht er sich denn auch nicht als typischen Politiker.
Kommunikation , sagt er, mit möglichst
vielen Leuten an möglichst vielen Orten ins Gespräch
kommen direkt und unmittelbar. Davon verspricht er
sich mehr als von Medienpräsenz. Von den sächsischen
Regionalzeitungen erwartet er wenig.
Außerdem will Hettlich zeigen, dass manche
grünen Strategen schief liegen, wenn sie im Osten ausschließlich
auf die großen Städte setzen und das Land links liegen
lassen. In der Eifel wo er in den Achtzigerjahren als Ökobauer
einen Hof bewirtschaftete habe es auch eine Ewigkeit gedauert,
bis die Grünen die 5-Prozent-Marke hinter sich gelassen hätten.
Warum sollte das in Sachsen anders sein?
Noch im Aufbau, sind seine Basisbüros schon
in Aktion. Ob es um die Rettung der Arbeitsplätze des Bahnwerkes
Delitzsch geht, um ie Beseitigung der Folgen des Elbhochwassers,
um Unterstützung für das vom Braunkohletagebau bedrohte
Heuersdorf, Hettlich und seine Regionalbüros mischen mit.
Für komplizierte Probleme gibt es keine einfachen
Lösungen. Also geht er auf die Suche. In der Hochwasserregion
seines Heimatkreises hat er eine groß angelegte Bestandsaufnahme
der Hilfen nach der Flut gemacht. Fazit: Die Hilfen kommen an,
aber um die Schäden bei den Landwirten zu beheben, reichen
sie bei weitem nicht aus. Da will er nachhaken. Zur Vorbereitung
des Bundesverkehrswegeplans haben seine Büroleute Bewertungen
und Stellungnahmen zu den ostdeutschen Projekten bei der Basis
eingesammelt. Mit diesem Material geht er nun in die Beratungen
im Verkehrsausschuss.
Künftig wird der fleißige Wahlsachse
auch regelmäßige Bürgersprechstunden in seinen
drei Büros abhalten, in sitzungsfreien Wochen hat er sich
feste Bürotage verordnet. Die Netzkarte bleibt also nicht
ungenutzt.
Von Michael Hadamczik
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