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Politikerumfrage

Leipziger Volkszeitung vom 17. Februar 2004

Zwei Ostler stimmen gegen den Trend

Berlin. Die Bundestagsabgeordneten Rainer Eppelmann (CDU) und Peter Hettlich (Grüne) sind zufrieden. Das erstaunt. Denn beide kommen aus Ostdeutschland. Wissenschaftler der Universität Jena haben herausgefunden, dass mehr ost- als westdeutsche Politiker mit ihrer Arbeit unzufrieden sind. Dafür befragten sie 950 Abgeordnete in Bundestag, Landtagen und Europaparlament. Unsere Zeitung hat Eppelmann und Hettlich gefragt, ob die Studie auf sie zutrifft und was sie davon halten.

"Ich habe mir keine Illusionen gemacht, was man als einzelner Abgeordmeter bewegen kann", sagt der 45-jährige Hettlich, der im Landkreis Torgau-Oschatz> lebt und 2002 für die Grünen in den Bundestag gewählt wurde. "Frustration kenne ich von den Ost-Sozialdemokraten." In einer kleinen Fraktion wie der seinen hätte man mehr Verantwortung und Spielräume als in einer großen. "Ein Grund, dass ich zufrieden bin, ist sicher auch, dass ich keine Oppositionserfahrung habe", sagt der Sprecher der Ost-Grünen.

Diese Erfahrung hat dagegen der ehemalige Pfarrer und Bürgerrechtler Rainer Eppelmann, der seit Dezember 1990 für die CDU im Bundestag sitzt. "Ich bin aber nicht mit jedem Ost-Abgeordneten vergleichbar. Mir wurden viele leitende Funktionen ermöglicht, weil ich ein relativ bekannter DDR-Bürger bin", erklärt der 61-Jährige. Dass viele ostdeutsche Politiker von ihren Gestaltungsmöglichkeiten enttäuscht sind, kann sich Eppelmann gut vorstellen: "Das hängt damit zusammen, dass wir keine Erfahrung mit Demokratie machen konnten."

Ein weiteres Ergebnis der Studie, für die auch 550 ehemalige Abgeordnete interviewt wurden: Ostdeutsche Politiker gehen ein größeres Berufsrisiko ein - zehn Prozent aus den neuen Bundesländern waren nach dem Ende ihrer politischen Karriere zumindest zeitweise arbeitslos im Gegensatz zu zwei Prozent der Westler. "Die Angst, nicht wiedergewählt zu werden, haben aber fast alle Abgeordneten, die keine Spitzenposition haben", so Eppelmann, "das gilt für Ostler genauso wie für Westler." Der Berliner glaubt aber, dass sich westdeutsche Politker eher finanziell abgesichert haben als ihre Kollegen aus dem Osten. Als Pfarrer im Wartestand muss er selbst keine Angst vor Arbeitslosigkeit haben. Hettlich, gebürtiger Kölner, der seit 1990 in Sachsen lebt, auch nicht. Er könnte sein Ingenieurbüro wieder eröffnen.

Als Selbstständiger arbeitete Hettlich etwa genauso viel wie jetzt, Eppelmann als Minister und Abgeordneter in der ersten frei gewählten Volkskammer 1990 noch mehr - deshalb trifft auf beide auch ein weiteres Ergebnis der Umfrage nicht zu: Zwei Drittel haben in ihrem Leben noch nie soviel gearbeitet wie als Politiker.

Susanne Merz

 

 

 

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