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PM vom 30.01.2004
Kein Korsett für die Elbe!
Zu den in der Tschechien Republik geplanten Staustufen
in der Elbe erklärt der sächsische Abgeordnete Peter
Hettlich, Sprecher der Arbeitsgruppe Ost der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen:
Die gestrige Ablehnung der Elbe-Staustufen in der
oberen Kammer des tschechischen Parlaments (Senat) ist ein weiterer
großer Erfolg auf dem Weg zur Entwicklung einer Flussfreundlichen
Binnenschifffahrt auf der Elbe. Das eingelegte Veto des Senats
gegen einen vom Abgeordnetenhaus des tschechischen Parlaments
gebilligten Gesetzesentwurf, mit welchem die vom Umweltministerium
mehrfach abgelehnten Staustufen doch noch gebaut werden könnten,
ist richtungsweisend. Das Veto kann jedoch wieder durch ein neuerliches
Votum im Abgeordnetenhaus überstimmt werden.
Die erneute Entscheidung des tschechischen Abgeordnetenhauses
für den Bau zweier Staustufen in der Elbe nahe der deutschen
Grenze sowie für eine durchge-hende Befestigung in diesem
Bereich brächte die Bundesrepublik Deutschland in Zugzwang
bringen. Um Fließverhalten und Schiffbarkeit nachzuregeln,
würden bald wieder Forderungen nach Staustufen auf deutscher
Seite laut. Dies widerspricht jedoch den Zielsetzungen bundesdeutscher
Flusspolitik.
Die Bundesregierung hat nach dem verheerenden Hochwasser
2002 den Verzicht auf Ausbaumaßnahmen erklärt. In der
Konsequenz muss sie sich gegen die geplante grenzübergreifende
Gefährdung der Elbe stark machen und sich deutlich zu den
Perspektiven der Elbe als einem naturnahen, unverbauten Fluss
positionieren. Hier-zu gehört beispielsweise ein Regulierungsregime
für Ablagerungen an der Flusssohle sowie die Entwicklung
flussangepasster Güterschiffe.
Staustufen stören das Fließverhalten
eines Gewässers und damit den Geschiebe-haushalt. Insbesondere
in Bereichen mit geringer Fließgeschwindigkeit setzen sich
feste Stoffe ab. Dies führt sowohl zu einer Verschlechterung
der ökologischen Situation als auch der Schiffbarkeit unterhalb
dieser Flusssperren. Um die Schiffbarkeit dennoch zu sichern,
werden neue Befestigungen nötig. Ein solcher Ausbau soll
an 345 Tagen im Jahr eine Tauchtiefe von 1,40 Meter bis zur deutschen
Grenze sichern.
Die in Deutschland vorhandenen Gegebenheiten unterscheiden
sich von diesem Ziel jedoch deutlich. Im langjährigen Mittel
(1971-2002) besitzt die Elbe im Abschnitt von der deutsch-tschechischen
Grenze bis Magdeburg diese Tauchtiefe lediglich an 276 Tagen.
Mittlerweile ist in Deutschland die Erkenntnis gereift,
dass der Ausbau der Elbe un-wirtschaftlich ist, den Wasserhaushalt
beeinträchtigt und europäischem Naturschutzrecht entgegensteht.
Selbst die sächsische CDU spricht sich inzwischen deutlich
ge-gen den Elbausbau aus.
Ich erwarte, dass in Brüssel die Brisanz des
Konfliktes zwischen der erhofften Förde-rung der Staustufen
mit EU-Mitteln und den zu erwartenden Beeinträchtigungen
der FFH-Gebiete entlang der Elbe erkannt wird. Ich erwarte auch,
dass die Europäische Kommission die seit Jahren laufenden
Bemühungen der Umweltminister Sachsens und der Tschechischen
Republik zur Entwicklung eines modernen Schienennetzes als Alternative
zum Elbausbau unterstützt.
Wir wollen eine frei fließende Elbe, die einen
wirksamen Hochwasserschutz gewährleistet und wertvolle natürliche
Lebensräume bietet. Die etwa 200 Mio. € teuren Staustufen
jedoch sind unwirtschaftlich, verringern die Fließgeschwindigkeit,
degradieren die obere Elbe zu einem Kanal und beeinträchtigen
grenzüberschreitend die einzigartige Auenlandschaft der Elbe.
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