Raumfahrtaktivitäten auf wissenschaftlichen
Nutzen konzentrieren und stärken. Mondsüchtigkeit von
Präsident Bush nichts als schlafwandlerischer Wahlkampf
Zur Ankündigung des Präsidenten der USA, George W. Bush
bis zum Jahre 2020 eine bewohnte Mondkolonie einzurichten und
eine bemannte Marsexpedition bis zum Jahre 2030 anzustreben, erklären
Hans-Josef Fell, forschungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen und Peter Hettlich, stellvertr.
Mitglied des Forschungsausschuß:
Die vollmundigen Ankündigungen zu bemannten Mond- bzw. Marsexpeditionen
sind nichts als Träumereien. Mit einer Ausweitung des NASA-Budgets
um 1 Mrd $ innerhalb der nächsten 5 Jahre lassen sich diese
Ziele nicht einmal ansatzweise erreichen, allerdings die US-Staatsverschuldung
weiter ansteigen. Insbesondere fehlen erhebliche finanzielle Mittel,
um ein geeignetes neues Trägersystem sowie eine Mondstation
zu entwickeln geschweige denn bauen zu können.
Bis heute sind die USA nicht einmal in der Lage, die Internationale
Raumstation (ISS) fertig zu stellen und die für eine Nutzung
notwendige Stammbesatzung zu garantieren. Die bereits eingetretenen
erheblichen Kostenüberschreitungen bei der ISS lassen erahnen,
welch technisches und vor allem finanzielles Abenteuer eine Mondkolonie
oder gar eine Marsexpedition darstellt.
Was technische Innovationen und wissenschaftlicher Fortschritt
tatsächlich bedeuten, läßt sich dagegen an den
erfolgreichen Missionen in der unbemannten Raumfahrt zeigen. Die
aktuellen Marssonden Mars Express der ESA und Spirit der NASA
sind auf dem modernsten Stand der Technologie, die unter maßgeblicher
Beteiligung deutscher Wissenschaftler mit entwickelt wurde. Ohne
die deutschen Hochleistungskameras und die miniaturisierten Mössbauer-Massenspektrometer
wären wesentliche Aufgaben dieser Missionen nicht zu bewältigen.
Mit den Projekten Mars Express, der Mondsonde Smart-1, dem Globalen
Positionssatellitensystem Galileo und dem Erdbeobachtungs-Satellitenprogram
GMES beweist die ESA, dass in der unbemannten Raumfahrt am schnellsten
innovative Technologien entwickelt und in die Praxis umgesetzt
werden können. Daher müssen weiterhin die finanziellen
Mittel auf realistische und erfolgversprechende Projekte konzentrieren,
damit der höchste wissentschaftliche Nutzen erreicht werden
kann.
« zurück
|