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Tschernobyl - vor 20 Jahren

Wo war ich am 26. April 1986?

Ich studierte an der Universität Bonn Agrarwissenschaften im 6. Semester und hatte damals im Fach Radioagronomie viel mit radioaktiven Substanzen in der Analysetechnik zu tun.

Unsere tägliche Routine umfasste umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Neben dem Tragen von Dosimetern mussten wir uns strengen Kontrollen vor Verlassen des Labors auf evtl. Kontaminationen unterziehen. Ich war dementsprechend für das Thema hoch sensibilisiert, und wir arbeiteten im Labor mit großer Vorsicht, denn eine Dekontaminationsbehandlung in der Kernforschungsanlage Jülich wollten wir unbedingt vermeiden, vor denen uns Prof. Sommer in den düstersten Farben gewarnt hatte.

Der 26. April war ein Samstag, und ich war deshalb auch nicht an der Uni. Am darauf folgenden Montag war natürlich bei uns die Hölle los. Es gab wilde Diskussionen mit unserem Professor, Sondervorlesungen, alle waren aufgeschreckt, entsetzt über die Bilder, die uns aus Tschernobyl erreichten. Aber es kam noch schlimmer.

Die Woche nach dem 26. April war sonnig und trocken und am folgenden Wochenende fand in Bonn das legendäre Feuerwerk „Rhein in Flammen“ statt. Ich weiß nicht mehr genau, ob es erst nach dem Feuerwerk zu regnen begann oder ob das Feuerwerk wegen des starken Regens damals abgesagt wurde, jedenfalls wurden viele von uns richtig naß und dadurch richtig verstrahlt. Weder die Bundesregierung noch die Stadt Bonn hatten es für nötig gefunden, vor einer möglichen Verstrahlungsgefahr zu warnen, es hieß immer, dass alles sicher sei. Und weil nach den trockenen Tagen die Feinstaubkonzentration entsprechend hoch war, war dieser erste Regen auch besonders stark kontaminiert.

Ich hatte selbst wenig abbekommen, weil ich mich untergestellt hatte. Ich erinnere mich jedoch an einen Doktoranden, der mit dem Fahrrad durch den Regen nach Hause gefahren war und am nächsten Montag an Kleidungs- und Körperteilen (Haare, Kopf) mit bis zu 20.000 (!!) Becquerel verstrahlt war.

Wenn wir eine derartige Strahlendosis im Labor abbekommen hätten, wir hätten die Kernforschungsanlage Jülich mit ihren Dekontaminationseinrichtungen richtig kennen gelernt…

 

 

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