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Wohnungspolitisches Forum

Statement
Berlin, 28. November 2005

Eingangsstatement zum Wohnungspolitischen Forum 2005

Am 24.11.2005 wurde ich von meiner Fraktion zum Sprecher für Baupolitik gewählt. Vor meinem Einzug in den Bundestag war ich von 1986 bis 2002 in der Baubranche tätig, davon die letzten 10 Jahre als Inhaber eines Ingenieurbüros für Bauleitung und Projektsteuerung.

Die Probleme der Baubranche sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland sind mir daher bestens bekannt. Als Sprecher der AG Ost von Bündnis 90/Die Grünen habe ich mich in den vergangenen drei Jahren intensiv mit den Herausforderungen des demographischen Wandels insbesondere in Bezug auf den Städtebau, die Stadt-entwicklung aber auch auf die Entwicklung des ländlichen Raumes beschäftigt.

Wir sollten uns eingestehen, dass wir es mit einer wachsenden regionalen Entwicklungsdisparität zu tun haben, für deren Beseitigung – wenn dies überhaupt möglich ist – statische Instrumente nicht mehr geeignet sein werden. Die Städtebauförderung der Zukunft muss daher flexibler gehandhabt werden, denn was z.B. für den Großraum Köln gilt, gilt nicht für den Großraum Leipzig und schon gar nicht für Großraum Gelsenkirchen. Insofern gefällt mir der Absatz im Koalitionsvertrag, der von einer Stärkung integrierter Stadtentwicklungskonzepte und vor allem von deren Vernetzung mit anderen Planungen und Maßnahmen spricht. Und ich bin der Ansicht, dass die Handlungsverantwortung stärker an die Akteure vor Ort delegiert werden muss.

Der Stadtumbau Ost muss – auch hier stimme ich mit der Koalition überein – als erfolgreiches Instrument über das Jahr 2009 fortgeführt werden. Allerdings sollten wir auch daran denken, den Stadtumbau West nicht zu vergessen und eine Antwort auf die zentrale Frage zu geben, wie dieses aufwändige Programm künftig finanziert werden kann.

In Ihrer Einladung haben Frau Hasselfeldt und Herr Dr. Jokl der Sorge Ausdruck verliehen, dass es im Koalitionsvertrag zu einer Diskriminierung von selbstgenutztem Wohneigentum kommen könnte. Diese Sorge erscheint mir unbegründet, denn das Wohneigentum soll gemäß dem Koalitionsvertrag in die geförderte Altersvorsorge besser integriert werden, was ich durchaus begrüße.

Ich will allerdings meine Skepsis nicht verhehlen, was die Zukunftsfestigkeit von selbstgenutztem Wohneigentum als Altersvorsorge angeht. Auch hier verweise ich auf die zunehmenden regionalen Unterschiede. In Ostdeutschland beobachte ich schon seit längerem, dass selbstgenutztes Wohneigentum gerade im Alter auch ein Problem darstellen kann, wenn die klassische Verwertung einer Immobilie, z.B. dann, wenn man seine Wohnverhältnisse verkleinern will bzw. muss, nicht mehr funktioniert. Eine Immobilie als Altersvorsorge funktioniert nämlich nur dann, wenn auch eine Nachfrage nach Immobilien besteht. Hier divergiert die Entwicklung zwischen Wachstumsräumen und schrumpfenden Städten und Regionen in erheblichem Maße.

Die Abschaffung der Eigenheimzulage begrüße ich übrigens nicht nur aus haushalterischen Gründen. Ich habe immer wieder auf die zu großen Mitnahmeeffekte bei der Eigenheimzulage hingewiesen und auf die Verlockung, dadurch die Baufinanzierung zu stark „auf Kante“ zu nähen. Wer seine Finanzierung ohne finanzielle Reserven nur unter Berücksichtigung der Eigenheimzulage bewältigen konnte, dem habe ich immer vom Bauen abgeraten. Kleine Veränderungen in den privaten Verhältnissen führen hier schnell zur großen Katastrophe. Wer dagegen eine solide Finanzierung auf die Beine stellen konnte, für den war die Eigenheimzulage eine schöne Mitgift, aber nicht Voraussetzung für seine Entscheidung. Ich bin daher der festen Überzeugung, dass die Abschaffung der Eigenheimzulage auch politisch eine richtige Entscheidung ist.



 

 

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